Zeckengefahr wird oft unterschätzt
Aktuelle Befragung zeigt: Jeder dritte Österreicher ist nicht ausreichend FSME-geschütztweiterlesen
In Österreich gibt es kein Bundesland, das FSME-frei ist. Die Impfung ist der einzige Schutz gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). "Schutzimpfungen gehören zu den wichtigsten Präventivmaßnahmen der Medizin", sagte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, MR Dr. Walter Dorner auf der FSME-Pressekonferenz. "Die Impf-Kampagne ist ein gutes Beispiel für die positiven Effekte einer kontinuierlichen Aufklärungsarbeit", so Dorner. 2010 wurden in Österreich trotz hoher Durchimpfungsraten 63 Spitalsaufnahmen und sogar ein Todesfall registriert. Dorner: "Es sind weitere Anstrengungen nötig, um das medizinische Ziel, die Anzahl der jährlichen Erkrankungen auf zehn herabzusetzen, zu erreichen."
FSME wird durch den Stich einer infizierten Zecke auf den Menschen übertragen. "In Endemie-Gebieten kann der Zeckenstich zu einer Infektion mit dem FSME-Virus führen. 30 bis 40 Prozent der Infizierten erkranken daran. Die Inkubationszeit schwankt zwischen wenigen Tagen und einem Monat", sagte der Innsbrucker Neurologe und Intensivmediziner Prof. Erich Schmutzhard. FSME ist eine ernste, akute Viruserkrankung, die bei 35 bis 60 Prozent der Patienten zu neurologischen Komplikationen führen kann. 1 bis 2 Prozent dieser Patienten sterben. "Es gibt", wie der Experte betonte, "keine kausale Therapie der FSME, daher wird ausschließlich symptomatisch behandelt. Wenn die FSME einmal ausgebrochen ist, kann man aus medizinischer Sicht nur relativ wenig dagegen tun".
Übertragen wird das FSME-Virus durch Zecken. Obwohl mittlerweile 17 Zeckenarten in Österreich heimisch sind, gibt es nur einige Arten, die für Menschen gefährlich sind. Neu ist dabei eine "jagende" Zeckenart, die aus den südlichen Gebieten Europas zu uns kam. "Die Braune Hundezecke, bevorzugt zwar den Hund, verschmäht aber auch den Menschen nicht. Und sie sitzt nicht still und wartet, sondern jagt tatsächlich nach dem Wirt", wie der Stv. Leiter des Institutes für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Dr. Georg Duscher weiß. Weitere überraschende Erkenntnisse: Zecken können tagelang unter Wasser verbringen bzw. überstehen auch eine 40 Grad Wäsche und atmen in Ruhe nur 1 bis 2 mal pro Stunde - durch zwei Atemöffnungen in der Nähe des vierten Beinpaares.
Prof. Herwig Kollaritsch, Leiter des Institutes für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin in Wien, erinnerte daran, dass die Fälle von FSME trotz weiterer Verbreitung, stark zurückgegangen sind. Vor der Impfära, also vor 35 Jahren, gab es in Österreich noch über 700 FSME-Erkrankungen. Allein in den Jahren 2000 bis 2006 konnten durch die Impfung 2.800 FSME-Erkrankungen verhindert werden. Kollaritsch:"Die Durchimpfungsrate hat in Österreich im Vorjahr mit 85 Prozent einen Wert erreicht, der von keinem anderen FSME-endemischen Land erreicht wird. Leider werden die Impfungen zunehmend schlampiger gehandhabt. Die Folge: Fast jeder dritte Österreicher ist nicht ausreichend geschützt.
Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin der Österreichischen Apothekerkammer freut sich, dass die FSME-Impfaktion auch 2011 wieder als gemeinsamer Schwerpunkt durchgeführt wird. Körner: "Impfen ist der einzige Schutz!" Der Impfstoff ist in allen Apotheken in Österreich seit 1. Jänner 2011 und noch bis 31. Juli 2011 um ein Drittel preisgesenkt. Der FSME-Impfstoff für Erwachsene kostet im Aktionszeitraum 27,30 Euro, der Impfstoff für Kinder 23,20 Euro. ImRahmen der Impfaktion verzichten die österreichischen Apothekerinnenund Apotheker auf einen beträchtlichen Teil ihrer Spanne, um die Zeckenschutzimpfung zu diesem Sonderpreis anbieten zu können. Darüber hinaus gewähren fast alle Krankenkassen einen ganzjährigen Kostenzuschuss, der direkt in der Apotheke vom Aktionspreis abgezogen wird.
Die "Zeckenschutz-Impfaktion 2011" soll die Bevölkerung im Rahmen einer breiten Informationskampagne aufklären, um die Durchimpfungsraten zu verbessern und FSME Erkrankungen zu vermeiden. Für die Grundimmunisierung lautet das Schema folgendermaßen: Die erste Impfung möglichst noch vor der warmen Jahreszeit. Die zweite Impfung sollte einen Monat danach erfolgen, die dritte Impfung ein Jahr darauf. Eine Auffrischungsimpfung ist erst nach drei beziehungsweise fünf Jahren notwendig. Die regelmäßige Impfung ist die einzige Möglichkeit sich effektiv vor einer FSME Erkrankung zu schützen. Es gibt keine Impfung danach und derzeit auch keine Therapie.
Termine der SHG Zeckenopfer
Alle Veranstaltungen Februar bis April 2011weiterlesen
Für Vorträge und Gruppentreffen ist eine Anmeldung erforderlich.
Weitere Infos auf www.zecken.or.at
08. Februar 2011, 16-18 Uhr:
OÖ Dachverband für med. Selbsthilfegruppen, Garnisonstraße 1a, 4020 Linz
Erfahrungsaustausch mit Christine Freund
09. Februar 2011, 09-15 Uhr:
GIZ im Haus der SGKK, Engelbert-Weiß-Weg 10, 5020 Salzburg
Infotag zu FSME, Impfung gegen FSME, Borreliose - mit Christine Freund
14. Februar 2011, 17-19 Uhr:
SHG Zeckenopfer, Kaiserstraße 71/1/3/7, 1070 Wien
Strategie gegen chronischen Schmerz, Vortrag mit Dr. Helmut Gabriel
17./18. Februar 2011, 09-17 Uhr:
VAZ Kelsengasse 9 , 3100 St. Pölten
"Bleib Aktiv"-Seniorenmesse, Infostand der SHG Zeckenopfer
24. Februar 2011, 15-17 Uhr:
Raststation Dokl, Hofstätten 113, 8200 Gleisdorf
Erfahrungsaustausch mit Christine Freund
02. März 2011, 09-15 Uhr:
Gesundheitszentrum Oberwart, Röntgengasse 28, 7400 Oberwart
Infotag zu FSME, Impfung gegen FSME, Borreliose - mit Christine Freund
15. März 2011, 16-18 Uhr:
Gasthof Krall, Ehrentalerstraße 57, 9020 Klagenfurt
Erfahrungsaustausch mit Christine Freund
16. März 2011:
Sozialamt Feldkirchen, Hauptplatz 5, 9560 Feldkirchen
Sprechstunden: Anfragen zu FSME, FSME-Impfung und Borreliose - mit Christine Freund
02. April 2011, 09-17 Uhr:
Stadthalle, Sr. Karl Renner Straße 4, 3943 Schrems
NÖ Frauengesundheitstag, Infostand der SHG
